„ Es war einmal ...“, mit diesen einleitenden Worten vieler Märchen soll eine Geschichte ihren Anfang nehmen, welche von der Begründung und dem ausschnittsweisen Werdegang einer kleinen Blaskapelle in der schönen Oberlausitz erzählt. Im Jahre 1971 gingen drei blasmusikbegeisterte junge Horkaer namens Wilfried Hübner (Flgh., Trpt.), Hartmut Hübner (Bariton) und Willfried Jackisch (Flgh., Trpt.) zunächst auf die Suche, ebenso begeisterte Mitstreiter im näheren Umland zu finden. Das gelang in verhältnismäßig kurzer Zeit mit Gerhard Elsner (Flgh.), Werner Böhmer (1.Tenorh.), Rainer Anders (2.Tenorh.), Günter Schönwälder (Tuba) und Wolfgang Großer (Schlagzeug). Nach einigen Probenwochen in Fürll's Gaststätte in Horka beschloss man am 18. Dezember 1971 auf die Bretter, die bekanntlich die Welt bedeuten, zu treten. Damit das geplante Männergesangsduo (Wilfried Hübner & Willfried Jackisch) auch gehört wurde, steuerten Tischlermeister Siebenhaar aus Niesky zwei Lautsprecherboxen aus Holz, Rundfunkmechaniker Bischoff aus Horka einen ausgedienten Verstärker vom Betriebsfunk des VEB Waggonbau Niesky und das DDR-Fernsehen aus Adlershof zwei ausgesonderte aber funktionstüchtige Sennheiser-Mikrofone bei. Es konnte losgehen, aber halt, vorher noch schnell die eigens erworbenen und zweckgebundenen blauen Hosen, roten Socken, braunen Schuhe, weißen Hemden, roten Westen angezogen und die roten Schleifen zurechtgerückt, um somit den schon damals notwendigen Wiedererkennungswert der Kapelle zu steigern. Ja, so war das damals mit der Blasmusik, so wie heute, mund- und handgemacht, live, ehrlich, ohne doppelten Boden und was noch alles unter Halb- und Vollplayback heutzutage zu verstehen ist. Und sie wurde gern gehört, so wie heute und ebenso auch von Jung und Alt. Dass wir uns inzwischen der Musikberieselung erwehren müssen, ob beim Kauf von Schuhen oder Margarine, beim Friseur oder Zahnarzt oder sogar im stillen Örtchen hat nichts daran geändert, dass die Blasmusik ihre Anhängerschaft behalten hat. So haben auch die „Oberlausitzer Blasmusikanten“ über die nunmehr drei Jahrzehnte ihre Zuhörer und damit ihren Existenzgrund nicht verloren.Doch zurück zu den 70 er und 80 er Jahren. Hier galt es mit den Schwierigkeiten der Repertoirefindung und –gestaltung zu kämpfen. Vorwiegend Manuskripte und wenige Druckausgaben von Verlagen aus der DDR und der CSSR standen zur Verfügung und waren die schmale Grundlage für die Polka-, Walzer-, Marsch-Musik. So blieb es zwangsläufig nicht aus, dass mancher Titel mehrmals am Abend gespielt werden musste. Wären da nicht damals unerlaubte Kontakte zum Musikverlag Siegfried Rundel in Rot an der Rot entstanden und in selbstloser Hilfe unser Notenvorrat nicht erweitert worden, wären manche schönen Melodien in der Oberlausitz nicht erklungen. Auch ein paar Notenausgaben der Donauschwäbischen Blasmusik Josef Augustin wanderten um den Leib meines wohlgenährten Onkels gebunden unentdeckt durch den Eisernen Vorhang. Über unzählige Auftritte am Morgen, tagsüber und bis in die Nacht hinein, in der Nähe als auch in der Ferne sowie in Stadt und Land wäre zu berichten, über „Tourneen“ ins Erzgebirge und in den Spreewald mit einem Moskwitsch 408 und seinem Anhänger und über das Kommen und Gehen von Bläsern und Schlagwerkern im Auf-und-Ab des Lebens und im Lauf der Zeit. Dass sich mit Sabine Richter erstmals auch eine weibliche und blasmusiktaugliche Gesangsstimme zu uns gesellte, hatte für uns Männer natürlicherweise einen besonderen Reiz und war Ansporn genug Musik und Gesang harmonisch noch besser zu vereinen.So spannt sich der Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart und nie hätte ich davon zu träumen gewagt, dass die Oberlausitzer Blasmusikanten einmal weltweite Auftritte wenn auch nur per Website haben werden. Und dass sich mit dem „Es war einmal...“ ein bisschen Wehmut in ein 60-jähriges Bläserherz einschleicht, mag man verstehen oder nicht, menschlich ist es allemal und der Vergänglichkeit im Weltenlauf geschuldet. Dass es mich aber überwiegend freudig und besinnlich stimmt, hat mit der ewig-jungen Blasmusik zu tun, der ich hiermit nicht zuletzt durch die „Oberlausitzer Blasmusikanten“ vertreten einen langen Fortbestand wünsche. Willfried JackischKulturanlage im Stadtpark in Rothenburg/OL Im Garten der Gaststätte "Deutsches Haus" in Horka Spreewaldhafen in LübbenauGartenfest "Zur alten Post" JänkendorfImpressumPresse